Mittwoch, 12. Mai 2010

Von der Pflicht glücklich zu sein

Zu diesem Thema sollte man sich zuerst folgende Fragen stellen: Bin ich glücklich? Und wenn ja: was ist Glück eigentlich? Vielleicht hat jeder eine eigene Definition und jeder andere Erwartungen von Glück. Dem einen reicht es vielleicht nicht eine Wochenendbeziehung zu führen, dem anderen ist vielleicht die kurze gemeinsame Zeit besonders wertvoll. Und: hängt denn Glück von anderen ab? Kann man nur dann glücklich sein, wenn man einen Partner hat, der einen liebt? Wer sich nur darauf ausrichtet von anderen glücklich gemacht zu werden, läuft zwangsläufig gegen eine Wand. Und diese Wand ist hart, kalt und böse. Und man läuft immer wieder dagegen solange man nicht einsieht, dass man sich selber genug sein muss. Doch dies ist ein Ablösungsprozess, der mit unter sehr schmerzhaft sein kann. Man sieh nur eins vor sich, wenn man sich genug sein soll: Einsamkeit. Und rennt wieder und wieder gegen die Wand. Wie eine Fliege, die gegen eine Scheibe fliegt. Unaufhörlich, bis sie stirbt. Ich stelle mir dann vor was die Fliege denkt: „Da geht’s raus! Aua! Da geht’s raus! Aua!“ Da ihr Gehirn (sie hat glaub ich keins aber das ist in der heutigen Gesellschaft eh zweitrangig) nicht ausreicht, um einen Lernprozess zu durchleben, macht sie zwangsläufig immer wieder den gleichen Fehler und scheitert. Sollte man nicht klüger sein, als die Fliege?

Sollten wir und trotzdem: selbst wir, die diesen Prozess logisch nachvollziehen können, wollen bestimmte Muster einfach nicht ablegen. Aus Bequemlichkeit vielleicht oder – und das glaube ich mehr: Angst. Die Angst ist etwas, das einen immer begleitet. Man muss lernen mit ihr zu leben oder sich von ihr zunichte machen lassen. Wenn man bedenkt, wie viele Ängste, den Menschen quälen können, wird man schier wahnsinnig. Verlustangst, Existenzangst, die Angst vor Menschen, die Angst vor Spinnen – ja sogar die Angst vor der Angst.

Nun: Was hat das alles mit der Pflicht glücklich zu sein zu tun? Ich habe mal einen Spruch gelesen, der in etwa so ging: „Was würde sich verändern, wenn jeder von uns mit einem Lächeln erwacht? Hätte die Welt einen Hauch Zauber mehr?“ Hätte sie? Wäre die Welt wirklich besser, wenn alle nur noch glücklich durch die Welt laufen? Unsere Generation ist in der „Think-Positive-Ära“ aufgewachsen. Sei immer optimistisch, lerne dich selbst zu lieben, Kopf hoch. Alles viel bla bla. Ich finde, dass dies einen ungeheuren Druck walten lässt. Die Erwartungen von Glück sind so hochgeschraubt und man ist nie zufrieden, mit dem was man hat. „Ich will nur glücklich sein“, wird gejammert. Ja und? Warum bist dus nicht? Ist es so schwer? Glück bedeutet nicht zwangsläufig, das absolute Übergefühl zu spüren, einen immer andauernden Rausch von bunten Farben und Sorglosigkeit. Aber es ist natürlich auch schwierig sich von dieser Traumvorstellung zu verabschieden. Man hat ja schon über Jahre so eine Art Liste zum Glücklichsein erstellt: Traumpartner, Traumjob, Traumjob.....Wenn ein Punkt auf der Liste nicht erfüllt wird, zerplatzt dann auch gleich der ganze Traum? Was fällt uns so schwer loszulassen und loszuleben. Und zwar mit allen Facetten, die das Leben so bietet. Bedeutet Glück tatsächlich „Arbeit“? Wenn das so ist, wie arbeitet man am glücklich sein? Vielleicht hilft es sich jeden Tag 10 Dinge aufzuschreiben, die einem das Gefühl von Glück vermittelt haben. Das können total banale Dinge sein, wie z.b. eine neue Bluse, mit der besten Freundin tratschen, oder, oder. Ziel ist es, sich klarzumachen, was alles schön ist in seinem Leben. Man wird schnell feststellen, dass man einiges um und in sich hat, dass einen froh macht. Und wenn das nicht reicht? Wenn danach das Loch nur noch viel größer wird und es so viel einfach ist, sich in die Tiefe zu stürzen und in seinem Selbstmitleid zu baden? Tja: Denkt positiv und seid gefälligst glücklich!

Kommentare:

  1. Gott... Wie recht du doch hast! Ich bin gerade in so einer Phase, in der ich einen Menschen einfach nicht loslassen kann obwohl ich weiß, dass ich durch ihn immer wieder gegen diese kalte Wand brallen werde aber ich bekomm es einfach nicht auf die Reihe. Oder ich will es nicht. Dazu müsste ich erstmal eine ernsthafte Diskussion mit mir selbst führen.
    Wäre ich doch so ein Mensch, der das Glück nicht von anderen abhängig macht. Aber ich tus. Deine Gedanken waren wirklich sehr schön!

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  2. danke für deinen comment. Ich wünsche dir sehr viel Kraft und alles gute! (man muss nicht immer glücklich sein...man muss es nur akzeptieren können...)

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  3. Wie wahr... wieder mal sehr schön geschrieben. Was meinst du genau damit, dass Gehirn bzw. Verstand in der heutigen Gesellschaft zweitrangig sind?

    Mein Freund appelliert täglich an die Bescheidenheit. Ich habe es so gut, sagt er. Ich solle damit zufrieden sein. Er hat ja so Recht. Aber wer kriegt das in meinem Kopf rein?

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  4. @Mehrunissa: Zufrieden sein. Bedeutet das gleichzeitig auch Stillstand? Warum nicht nach Höherem streben...mhmm sollte drüber bloggen ;-)

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