Donnerstag, 10. Juni 2010

Mehr Schein als Sein?

Nun sitze ich hier mit der „Notfall-Zigarette“, eines Freundes und denke über Beziehungen nach. Wie schon so viele Frauen vor mir. Und Gott weiß wie viele noch nach mir darüber nachdenken werden. Was macht sie aus, die perfekte Beziehung? Und gibt es sie wirklich? Ist es möglich sein perfektes Gegenüber zu finden, das einen vervollständigt? Wann kommt man an und wann ist man da? Oder ist man schon da? Es gibt immer wieder Momente wo man alles in Frage stellt. Wo man zweifelt und sich selbst und seinen Partner verflucht und dann gibt es diese Wahnsinnsmomente die man am liebsten ausschneiden und in ein Album kleben möchte. Blick, Gefühle, eben alles was einem das Gefühl gibt ein Ganzes zu sein. Trotzdem bleibt man ein Individuum oder wird man ein „wir“ und man wird nur noch als Paar gesehen. Kathrin sagte mir heute, dass es sie manchmal ganz schön nervt, wenn man von ihr noch noch als „Katrin und Steffen“ redet. Man wird auf Partys zusammen eingeladen und macht das meiste zusammen. Wäre das nicht so, würde man sich aber auch nicht richtig fühlen oder doch? Und dann gibt es Beziehungen, die es schon so lange gibt, die schon so lange Bestand haben haben, dass es sich irgendwie vermischt hat. Sabine zum Beispiel. Sie ist mit ihrem Mann seit 16 Jahren zusammen. Das ist länger als die Hälfte ihres Lebens. Und sie machen es perfekt. Sie heiraten. Ich habe sie gefragt, was der Schlüssel ist, so lange erfolgreich zusammen zu sein. Sie hat gelacht und gesagt: „Es gibt keinen. Ich glaube es entscheidet sich in den ersten sieben Jahren. Da macht man alle Krisen und Streitereien durch und geht manchmal durch die Hölle. Aber dann – spielt es sich irgendwie ein.“ Ist es erstrebenswert, dass man ein eingespieltes Team wird? Bleibt da nicht vielleicht auch die Aufregung, die Romantik auf der Strecke und man vermisst manchmal die Hitze der Hölle? Vielleicht ist man aber auch entspannt und kann sich zurücklehnen. Wobei: Zurücklehnen ist so ein faules Wort. Es beinhaltet auch, dass man sich nicht mehr anstrengen muss. Das man einfach so vor sich hin lebt. Ich mag eigentlich diese Formulierung „an einer Beziehung arbeiten“ nicht. Arbeit hat auch sowas negatives an sich. Aber vielleicht ist einfach noch kein gutes Wort für ein Zwischending gefunden worden. Dann gibt es noch Mogelpackungen. Man kennt das. Man lernt ein Pärchen kennen, dass augenscheinlich so perfekt ist. Man spürt förmlich das Knistern, die Leidenschaft. Er nimmt ihre Hand in den richtigen Momenten und fragt sie, ob sie noch ein Glas Wein möchte. Man macht sich verrückt und zweifelt alles an, was man selber so hat. Man schaut rüber und sieht nichts als seine Schwächen. Man ärgert sich und denkt: Es ist alles andere als perfekt bei uns. Warum kann es nicht auch so laufen, wie bei denen. Und dann erfährt man nach zwei Wochen, dass sie ihn seit 2 Jahren betrügt und er ausgezogen ist. Dann ertappt man sich dabei, dass man fast erleichtert ist, dass man sich geirrt hat. Es gibt Beziehungen die nach außen so vollkommen sind und innen läuft alles schief. Heißt es nicht „in guten wie in schlechten Zeiten“? Wann merkt man, dass es „nur“ eine „schlechte“ Zeit ist und wann muss die wieder aufhören? Gibt es ein Maß für sowas? Leider nicht. Man kann nirgends messen, wie lange eine „schlechte Zeit“ laufen darf und wann die guten wieder anfangen müssen. Doch manchmal ist es das einzige was man noch hat: Sich einen Schein zu bewahren. Sich nicht eingestehen wollen, dass es vorbei ist.Es gibt noch eine schöne Formulierung: „Angekommen sein“. Tja. Was ist denn dann? Bin ich angekommen und kann mich getrost vor die Glotze hauen und rülpsen? Oder muss man sich trotzdem von diesem Punkt auf eine weitere Reise begeben, die genauso hügelig ist wie vorher?Wahrscheinlich ist das so. Ich hoffe es wenigstens. Denn erst wenn man tot ist, ist man angekommen und das dann wirklich. Aber viel erleben wird man dann auch nicht. Wer hört einem dann schon noch beim Rülpsen zu...

Kommentare:

  1. toller blog!!
    echt süss gemacht mit schönen fotos!!
    was hälst du davon, wenn wir uns gegenseitig followen??

    xx betty

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  2. wow,süßer blog!
    gefällt mir!!

    besuch mich doch auch mal :)
    LG
    http://frauelisabeth.blogspot.com/

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  3. ich kann dich gut verstehen...ich habe auch manchmal diese und solche zweifel aber meistens verlaufen sie dann wieder im sand und dann läuft alles wieder gut und man denkt nur man wieso habe ich so gedacht :/

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  4. Gut geschrieben :)
    Wenn du magst, können wir uns gerne gegenseitig followern.

    Sei lieb gegrüßt, minnja

    http://minnja.blogspot.com/

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  5. ich mag es wie du schreibst. und ich hab echt großen respekt davor.hätte glaube ich hemmungen, so offen in einem blog zu schreiben. danke dafür:)mehr davon

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  6. Dieser Text spricht mir aus der Seele. Nur hätte ich es nie geschafft alles so treffend auf den Punkt zu bringen und dennoch von vielen Seiten zu reflektieren. Ich werde ihn sicher noch öfter lesen.

    Liebe Grüße
    Mehrunissa

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