Und wenn doch? Was, wenn man plötzlich feststellt, nicht mehr als ein Accessoire für die andere oder den anderen zu sein? Und dass sich in der neuen, schicken Stadt viel bessere Assesoires finden lassen, die das Image auch noch viel besser aufpolieren? Gibt es bei Freundschaften eine Art Verfallsdatum? Wie oft hat man die Sandkastenfreundin gegen jemand anderen eingetauscht, die plötzlich den Platz der „besten“ Freundin einnimmt. Gibt es diese „beste Freundin“ überhaupt? Es wäre wohl für viele ein Schock, würde ich sagen, dass es sie nicht gibt. Deshalb lass diese rhetorische Frage mal offen. Ich weiß es selber nämlich auch nicht. Nur, dass es weh tut, wenn man verlassen wird. Bei Freundschaften spart man sich das obligatorische „Schlussmachen“ einfach und meldet sich einfach nicht mehr. Klar wird es, wenn keinerlei Interesse mehr für den anderen da ist. Dann kommen diese bohrenden Fragen: War überhaupt jemals Interesse da, oder hat man sich lediglich gewünscht, dass die andere einen bedingungslos schätzt, trägt, liebt. Doch wie oft hat man selber investiert und für etwas gekämpft, was am Ende doch nicht viel mehr ist, als eine gescheiterte Beziehung. Ich hätte es eher merken sollen, meint man. Spätestens als klar wurde, dass Männer eben doch über Mädchenfreundschaften stehen, dass der Abstand einfach zu groß geworden ist oder sie fröhlich verkündet, dass sie deinen Blog nicht liest, weil sie „mode-blogs“ doof findet. Viele Dinge scheinen klarer, machen plötzlich einen traurigen Sinn. Man fühlt sich benutzt und betrogen. Und die, die man mal für seine „beste“ Freundin gehalten hat, wird einem so fremd, dass es einen frösteln könnte. Die Spreu die sich vom Weizen trennt. Macht man die Augen auf, sieht man plötzlich all die lieben Menschen, die immer ein wenig in IHREM Schatten gestanden haben, die aber völlig selbstverständlich da waren und das IMMER und über Jahre, manchmal auch Jahrzehnte. Dachte man immer, man muss möglichst viel tun, dann bekommt mans schon irgendwann zurück, wird nun klar: Freunde- echte Freunde sind einfach bedingungslos da. Da muss man keine Beziehungsarbeit leisten, weil man sich selbstverständlich für sich interessiert. Weil mans gar nicht ohne einander aushält. Und es nichts damit zu tun, wie oft man sich sieht. Qualität vor Quantität! Es gibt Freundinnen, die rufen nach Monaten an und man kann sofort da ansetzen wo man aufgehört hat. Es gibt keine Kluften, die sich plötzlich auftun. Man schwimmt immer noch auf einer Welle – im Grunde genommen tat man dies die ganze Zeit. Und was bedeutet schon Zeit und Raum, wenn man sich liebt – egal, ob platonisch oder nicht...